Urban Miner | Why the future needs us
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Why the future needs us

Why the future needs us

Wo der nächste Geistesblitz einschlägt – nicht eindeutig vorhersehbar. Was ihn aktiviert schon. Wir können Räume kreieren, die Kreativität stimulieren und alle Bedingungen mitbringen, um aus Visionen Prototypen zu bauen. Die vielen Gespräche mit Personen aus dem Bau- und Immobilienwesen, Wirtschafts- und Finanzsektor, der Kultur- und Kreativszene als auch dem Medizin-Bereich bestätigen mir, was mich auch schon mein Beruf lehrte: Kreativität ist der Rohstoff unserer Zeit. 

Kreativität und Toleranz sind heute die entscheidenden Faktoren und die beste Ausgangsbasis, um in einer der größten aktuellen Herausforderung zu bestehen: der globale Wettstreit um Talente der Kreativen Klasse. Noch zählen Seltene Erden zu den begehrtesten Rohstoffen der Welt, bald wird die Förderung von Kreativität und die Gewinnung von Innovationen über Erfolg oder Misserfolg von ganzen Gesellschaften entscheiden.

Aus ökonomischen und soziologischen Studien sowie aus unseren Erfahrungen in anderen Projekten der Stadtentwicklung wissen wir: Raum, Ökologie, Kapital, Lifestyle und Story locken Talente und formen ein progressives Produktionssystem. Die Kreative Klasse umfasst dabei nicht nur die klassischen Kreativ-Disziplinen, es geht verstärkt auch um Unternehmer, Wissenschaftler und Beschäftigte wissensbasierter Berufe. Eine Klasse, der den Studien Richard Floridas zufolge 150 Millionen Menschen weltweit angehören. Und: Aktuell ist die Kreativwirtschaft der schnellst wachsende Wirtschaftszweig.

So müssen wir Städte der Möglichkeiten etablieren, um Urbane Minen zu erschließen. Unter dem Brennglas der Innovation können Utopien, Erkenntnisse und Visionen veredelt und gehandelt werden. Orte, die (Selbst)Verwirklichung ermöglichen und Talente anziehen. Orte, an denen wie in einer Biosphäre neues Leben entstehen kann. Ein Ort, an dem die Zukunft spürbar ist, weil sich die Haptik der Vergangenheit mit technologischer Innovation architektonisch verbindet.

Der Reaktor der Ideen kommt nur mit Personen in Gang, die ihn anzuheizen verstehen. Neue Technologie wird vom Menschen gemacht. Daher werden Talente auf der internationalen Börse der Innovation wie Rohstoffe gehandelt. Und im Gegensatz zu Gold oder Öl sind Menschen mobil und ziehen an den für sie attraktivsten Ort. Es braucht daher Orte, die Kreativität fördern, die Fantasie anregen, Forschung als Rohstoff begreifen und neue Vernetzung schaffen. Aus diesen Minen werden Prototypen gewonnen – soziale, technologische, politische und gesellschaftliche.

„transformation: it is in our nature“ – Tim Smit, Co-Founder „The Eden Project“

Die Gesellschaft erfindet sich nicht neu, sie transformiert sich. Durch Überlagerung verschiedener Lebensstadien erfolgt in der Biologie die Metamorphose. Ein Phänomen, das ebenso in der Stadtentwicklung zu finden ist.
Nach und nach geben wir die Taylor‘sche Arbeitsteilung an Roboter ab und sind auf dem Weg in eine Zukunft, von der wir lange dachten, sie bräuchte uns nicht (Vgl. „Why the future doesn’t need us“, Bill Joy). Linearität weicht der Kollaboration, Kreativität wird zum Rohstoff, Kollisionen ermöglichen Neu-Kombinationen.

Eine Kluft zwischen attraktiven Kreativstandorten droht. Das produziert heftige politische und kulturelle Verwerfungen, die ganze Länder lähmen und die bereits zu beobachten sind. Die Situation ist ähnlich der industriellen Revolution, die neben immensem Wirtschaftswachstum eine ökonomisch bevorzugte Schicht von Leuten hervorbrachte und eine Reihe von wirtschaftlich sehr starken Regionen – was soziale, politische und militärische Spannungen bedingte. Wir müssen daher sicherstellen, dass viele Menschen an der kreativen Wirtschaft teilhaben.

Es braucht Orte, in denen Unternehmer ihre Innovationen zum Leben erwecken können. Die High-Tech Revolution passierte in San Francisco und der Bay Area, weil der Ort von der 60er-Welle der Selbstverwirklichung erfasst und nach dem Motto „Break the rules, not the law“ gehandelt wurde.

Die größte Herausforderung liegt aktuell darin, im globalen Wettstreit um Talente ein attraktiver Lebensort zu sein. Intolerante und engstirnige Orte sterben, da die Angehörigen der kreativen Klasse ihren Wohnort frei wählen können. Damit verändern sie die Weltwirtschaft. Weltweit bilden sich Zellen, die besonders innovativ sind. Wir erleben nicht nur einen wirtschaftlichen, sondern auch sozial einen Wandel.

So wie sich die Sozialdemokratie in der Vergangenheit für die bessere Verteilung materieller Güter einsetzte, müssen wir uns heute dafür einsetzen, Menschen dazu zu bringen, ihre Talente zu entwickeln und sie ökonomisch zu nutzen. Nationen wie Australien, Kanada, Neuseeland und die skandinavischen Länder haben das erkannt und richten sich danach aus. Japan, Deutschland und die USA hängen noch in der Transformationsschleife fest.

Es geht um Werte, die durch Kunst, Kultur, Forschung oder Bildung entstehen und sich durch Förderung vermehren. So wie es seit der digitalen Gründerzeit Inkubatoren für Pioniergeist und Vernetzung gibt, etwa Coworking-Spaces oder Digital Hubs, erfordert es auch im technischen und industriellen Sektor derartige Triebfedern für Innovationskraft. Heute sind Industrieanlagen keine Milliardeninvestition mehr, weil Maschinen wie 3D-Printer immer günstiger werden und längst den Consumer-Markt erobern.

„Toleranz zieht Talente an“ – Richard Florida

Toleranz kennt unterschiedliche Momente – regulierende und öffnende. Im urbanen Kontext bedeutet dies eine kluge Balance aus Ruhe- und Rückzugsorten, offenen Plätzen, Hot Spots, Gemeinschaftsarealen, Begegnungszonen, Forschungslaboren, Kollisionsräume, inszenierten Szenen und weißen Punkten.

Joseph Beuys’ Konzept der Sozialen Plastik anerkennt die innere Freiheit jedes Menschen und fordert auf ihrer Basis zum selbstständigen Handeln innerhalb der Gesellschaft auf. Individuelle Freiheit impliziert Verantwortung für die gesamte Gesellschaft. Eine tolerante Gesellschaft begreift Dialektik als Nährboden für eine hoffnungsvolle Metamorphose, die im Klima eines toleranten Ortes zur Innovation gedeihen kann.

Dem Postulat Glauben schenkend werden Urbane Minen pulsierende, inspirierende, kontroverse Gesellschaftsräume. Plätze, an dem die Gegenwart unterm Brennglas erscheint. Innenhöfe, in denen die Kollaboration die Welt versammelt, anstatt bloß ihr Vorhof zu sein.

Es gilt gesellschaftlichem Ereignisdruck mit neuen experimentellen Freiräumen etwas entgegenzuhalten. Räume, in denen Event und Konsum kreativer Teilhabe Platz machen. Orte des (sich) Sammelns und des Aufbruchs. Orte der Ruhe. An denen sich Mut und Risikobereitschaft finden lassen, die die Erneuerung unserer Gesellschaft braucht. Kurz: eine visionäre Modell-Sphäre, als deren Schätze Utopien gelten.