Urban Miner | Urbane Minen
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Brownfields – die Urbanen Minen

Sie sind die stillen Zeugen der industriellen Entwicklung unserer Gesellschaft. Als Brachen liegen sie in infrastrukturellen gut erschlossenen Stadtgebieten: verwaiste Fabriken, stillgelegte Gewerbeflächen, aufgelassene Rangierstellen. In der Literatur werden diese Orte oft als Brownfields beschrieben und als Industrieanlagen definiert, „die dem Verfall preisgegeben“ wurden. In Wahrheit sind sie Urbane Minen, zukunftsträchtige Claims. Je nach vorheriger Nutzung gibt es die: Abriss-, Zerfalls- oder Trümmerbrachen, Wohnbrachen, Zechenbrachen, Bodenabbaubrachen, Deponiebrachen, Bahnbrachen, Straßenbrachen, Militärbrachen etc.

Sie stehen oftmals unter Denkmalschutz, haben kontaminierte Böden, weisen erhöhte Schadstoffbelastungen auf und eine Sanierung rentiert sich oftmals scheinbar nicht. Für die Wiedereingliederung in den Wirtschaftskreislauf, einem sogenannten Flächenrecycling, dafür gibt es mittlerweile zahlreiche positive Beispiele. Etwa die Tabakfabrik Linz die Die Spinnerei in Leipzig oder die Battersea Power Station in London.

Europaweit werden Green- und Brownfield Areale zu zentralen Plätzen in den Metropolen des Kontinents entwickelt. Perspektivenreiche Inkubatoren für eine scheinbar perspektivenarme europäische Gesellschaft – Startrampen mit expliziten Schwerpunkten in Richtung eines anderen, besseren Morgen. Aufschwung durch Wandel, Wandel durch Kreativität! Gut organisierte und hoch entwickelte Kreativquartiere – Orte des Lebens und Wohnens, der Arbeit und Produktion. Hubs der Forschung und Wissenschaft, der Kunst und Kreativwirtschaft, der Bildung und Ausbildung, der Industrie und des Handwerks. Lösungsorientierte und hoffnungsvolle urbane Räume, also Leuchttürme eines neuen europäischen Geistes – Bauhäuser 4.0.

Aufschwung durch Wandel

Im internationalen Wettstreit um die kreative Klasse braucht es Leuchttürme, die das schöpferische Potential von Städten bündelt, fördert und sichtbar macht. Die Neupositionierung von Industriebrachen entfaltet dabei auch große Symbolwirkung: Ein Relikt des industriellen Zeitalters wird zum Sinnbild für Aufschwung durch Wandel und die Innovationskraft kreativer Industrien. Die Revitalisierung von Industriebrachen oder Großimmobilien erlebt heute parallel zum fortschreitenden Strukturwandel einen weltweiten Boom und beschäftigt nahezu jede europäische Stadt.

In Zeiten zunehmender Automatisierung und Deindustriealisierung gilt der Umgang mit stillgelegten Produktionshallen oder Betriebsstätten – speziell, wenn diese unter Denkmalschutz stehen – vielerorts als Schlüsselfaktor für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit, Prosperität und Lebensqualität einer gesamten Region. Welche immobilienintensiven Ökologien erschöpft in Leerstand münden werden (Kirchen, Fabriken, Bankfilialen etc.) und welche raumgreifenden Industrien diese, gleich eines Staffellaufs, ablösen werden sind zentrale Fragen. Besonderer Augenmerk wird dabei auf das IOE (Internet of Everything) und seine Auswirkung gelegt.

Vorhaltigkeit statt Nachhaltigkeit

Maschinen können Prozesse optimieren, Kapazitäten steigern. Doch Kreativleistungen können sie – zumindest im Moment – nicht erbringen. Nicht zuletzt deshalb ist die menschliche Kreativität ein steigender Wert, in der Positionierung von Städten, aber auch im Kräftemessen der Kontinente – krisenfest und zukunftstauglich zugleich. Bescheidenheit im Geiste ist nicht angebracht, intellektuell unter unseren Verhältnissen zu leben, bedeutet Stillstand, und der ist Rückschritt. Wir brauchen Schritte nach vorne, so wie wir Vorbilder und keine Nachbilder brauchen, und Vorhaltigkeit anstatt Nachhaltigkeit. Wir müssen also unsere Vorstellungen auf Vordermann und Vorderfrau bringen.

Wissen schafft kreative Quartiere

Wir wissen um den kulturellen Reichtum, das historische Erbe und um die Bedeutung von Kreativquartieren für Städte und Regionen Europas. Diese gelten zu Recht als Hoffnungsträger im globalen Wettbewerb. Es ist das Gebot der Stunde, sich auf diese ureigenen Stärken zu berufen, ihren Stellenwert zu fördern und Allianzen zu schmieden, um ihre Kultivierung mit empathischer Energie, intellektuellem Pioniergeist voranzutreiben. Es gilt, ein neues Bewusstsein zu schaffen: Sowohl für die Ingeniosität, die mit Kulturleistungen einhergeht, als auch für die Notwendigkeit, den Faktor Kreative Arbeit und ihre räumlichen Bedürfnisse neu zu deuten.

Wir müssen daher Räume entwickeln in denen durch Kollaboration, ein kumulativer, evolutionärer Verbesserungsprozess gedeihen kann. Eine „Ökologie des Machens“, die durch ständiges Herumprobieren und Basteln von Menschenhand charakterisiert werden kann.