Urban Miner | Neoindustrialisierung
Industrialisierung, Corona, Pandemie, Beta-Industrien
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Neoindustrialisierung

Diamanten werden unter Druck geboren!

Die stärksten und nachhaltigsten Entwicklungen sind oft von Ausnahmezuständen ausgegangen oder wurden von Krisen beschleunigt. Dies zeigt die Geschichte der Zivilisationen, der Revolutionen und der Weiterentwicklungen.  Menschen, Gruppen und ganze Gesellschaften werden in kurzer Zeit gezwungen, eingelernte Verhaltensmuster zu verlassen, ihre Rituale abzuändern, völlig neue Haltungen einzunehmen und bislang Unerprobtes zu wagen.

Die Verwerfungen im Sozialwesen, der Kunst und Kultur, der Wirtschaft und Industrie erzwingen einen Perspektivenwechsel und machen bislang Unmögliches notwendig. Zum ersten Mal in unserem Jahrhundert wird es wohl eine Pandemie – ausgelöst durch COVID19 – sein, die uns durch Tod und Leid zu neuen Erkenntnissen und drastischen Handlungen zwingt. Die Seuche zeigt mit einem Schlag globale, nationale und regionale Vulnerabilitäten auf, die durch sozial- und wirtschaftspolitische Fehlentwicklungen verursacht wurden.

Von der Proto-Industrie zu den Beta Industries

Europa und die Welt wird sich nun vertieft Gedanken machen (müssen) über: Utopien und Lebensweisen, Wandlungsfähigkeit und Resilienz, Wertschöpfungs- und Lieferketten, strategisch kluge Positionierung sowie Relokalisierung von Industrie und Handwerk, Just-in-Time-Mentalität und langfristiges, gesellschaftsrelevantes Wirken. Machtnetzwerke werden sich verschieben, neue Wirtschaftszweige geboren.

Nicht nur TouristInnen werden HeimkehrerInnen sein, auch die Industrie. Für die Standortwahl werden örtliche und zeitliche Entfernung, Flexibilität, infrastrukturelle Anbindung sowie Krisenfestigkeit vermehrt Gewicht bekommen.

Durch den realen Ausfall von Liefergütern während der Coronakrise gewann Flexibilität und Regionalität an Bedeutung. In Österreich erleben wir, dass Werke zur Erzeugung von Bio-Ethanol auf die Produktion von Desinfektionsmittel umrüsten. Die Wandlungsfähigkeit wird eine Dimension der strategischen Ausrichtung von Betrieben werden. Ein Mischportfolio wird sich (wie auch in der Finanzkrise) als sinnvolle Legierung beweisen.

Die Krise fordert uns heraus und befeuert unsere Vorstellungskraft. Sie rüttelt an unserem System und verlangt nach neuen Lösungen. Trends und Zukunftsszenarien helfen uns im Aufruhr der Coronapandemie Anhaltspunkte für eine Post-Corona-Zukunft zu finden.

Gleich hinter der Gegenwart

Die Pandemie wirft die stetige Veränderung aus ihren prognostizierten Bahnen. Wie sieht die Welt „nach“ Corona aus? Das Zukunftsinstitut rund um Zukunftsforscher Matthias Horx hat mithilfe von Netzwerkmodellen von FASresearch eine Analyse der Megatrends in Bezug auf die Post-Corona-Szenarien erstellt. Vier Szenarien wurden daraus destilliert. Sie richten die Wirkungsstärken der Megatrends neu aus.

Ein Blick auf die Impact Map der vernetzten Analyse zeigt, dass fünf Megatrends, im Zentrum postiert, für alle Szenarien von großer Bedeutung bleiben. An den Themen „Sicherheit“ und „Gesundheit“, „Individualisierung“ und „Konnektivität“ sowie dem Dauerbrenner „Globalisierung“ richtet sich die Gegenwart und alles was danach kommt aus.

Durch die Krise befeuert wurden vor allem Themen wie „New Work“, „Neo-Ökologie“ und „Silver Society“. Die Gesellschaft wendet sich wieder nachhaltigen Werten und Themen zu; aus Anti-Aging wird Pro-Aging; Arbeitsstrukturen und -bedingungen sehen sich mit einem schlagartigen Umbruch konfrontiert, der anhalten mag.

Doch Trends entscheiden nicht über unsere Zukunft. Sie sind ständige Begleiter und Taktgeber. Die Gesellschaft, die Politik und Unternehmen werden die Weichen für die Zukunft stellen.

Gestärkt aus der Krise hervorgehen können wir, wenn es uns gelingt, einen Weg zu finden, auf dem sich die Ziele von Wirtschaft und Gesellschaft gegenseitig im Interesse eines umfassenden Wohlergehens für alle stärken.