Urban Miner | 14K
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Die 14 Ks des Urban Mining

I KONSTELLATION

„Was tun mit …?“ Vor dieser Frage stehen Kommunen, Unternehmen oder Eigner von Industriebrachen. Sie suchen Ideen und Investoren, um die Areale einer Neunutzung mit gesellschaftlichem Mehrwert bzw. einer ökonomisch sinnvollen Weiterentwicklung zuzuführen. Die OÖ Wirtschaftsagentur GmbH hat allein für Österreich Tausende ungenutzte Industriebrachen ermittelt. Insgesamt ergeben diese eine Fläche von rund 130.000.000 m², was dem Stadtgebiet von Linz entspricht oder etwa 4.500 durchschnittlichen Betriebsstandorten.

II KONVERSION

In ihrer neuen Gestalt wird das Areal dem Paradigmenwechsel der digitalen Revolution gerecht – von der Industriegesellschaft zur Kreativ- und Netzwerkökonomie. Im Licht dieser geänderten globalen Vorzeichen werden neue berufliche Milieus erprobt und erforscht. Der Fokus liegt dabei auf zeitgenössischen Konzepten der digitalen Ökonomie, wie etwa Sharing Economy, Co-Working, Urban Mining oder Neo-Industrialisierung.
Ein wissensbasierter und digitaler Wirtschaftsstandort entsteht. Ein Netzwerk aus Business Angels vor Ort gewährleistet, dass innovationsstarke Organisationen wie Start-ups oder Forschungseinrichtungen ihre Lösungen, Produkte und Dienstleistungen am Markt positionieren können.

III KREATION

Erfolgreiches Re-Development integriert unterschiedliche Nutzungstypologien, Branchen und Anspruchsgruppen. Dabei müssen die persönlichen und beruflichen Entwicklungsziele potenzieller NutzerInnen genau betrachtet und deren Netzwerkstrukturen recherchiert werden. Zudem gilt es, künftige Wertschöpfungsketten zu identifizieren, entlang derer die Bildung von Clustern vorangetrieben werden kann.
Komposition bedeutet, die für das Leben auf neu positionierten Arealen unerlässlichen Komponenten zu erkennen und zu integrieren. Das heißt auch, die sozialen Umfelder der NutzerInnen nach Möglichkeit am Standort zu berücksichtigen: von Kinderbetreuung bis Rekreation, von Bildungsangeboten für alle Generationen bis zu Event- und Gemeinschafts-Zonen.

IV KREATIVITÄT

Maschinen können Prozesse optimieren, Kapazitäten steigern. Doch Kreativleistungen können sie – zumindest im Moment – nicht erbringen. Nicht zuletzt deshalb ist die menschliche Kreativität ein steigender Wert, in der Positionierung von Städten, aber auch im Kräftemessen der Kontinente – krisenfest und zukunftstauglich zugleich.
Die Legierung der Kreativität besteht aus gesellschaftlichen Grundstoffen, die für eine stetige Erneuerung der Gesellschaft unerlässlich sind. Schätze, die als Erkenntnisse, Utopien oder Visionen gehandelt werden und nicht fossil sind. Werte, die durch Kunst, Kultur, Forschung oder Bildung entstehen und sich durch Förderung vermehren. Kultur- und Künstlerförderung ist auch Wirtschaftsförderung. Längst gilt das kulturelle Umfeld einer Region als entscheidender Standortfaktor bei der Ansiedlung von Unternehmen.

V KOLLABORATION

Der interdisziplinäre Austausch führt zu spartenübergreifender Kollaboration. Dadurch kann flexibel auf neue gesellschaftliche Anforderungen reagiert werden. Dabei müssen persönliche und berufliche Entwicklungsziele potenzieller NutzerInnen sowie deren Netzwerkstrukturen genau betrachtet und untersucht werden (siehe III Kreation: Komposition von Komponenten), um künftige Wertschöpfungsketten zu identifizieren. Alte Handwerksbetriebe kooperieren mit jungen Start-up Unternehmen, große Medienagenturen arbeiten mit kleinen Designbüros zusammen, Studierende beeinflussen mit ihren unkonventionellen Ideen den weltweiten Markt. Es entsteht eine Ökonomie der Kooperation. Erfolgreiche Kollaboration heißt weltweite Vernetzung von innovativen Standorten – so genannten „Beta-Orten“. Vom Know-how-Transfer profitieren beide Seiten und bilden – wie auch die Tabakfabrik Linz – einen Boten der Ökonomie der Kooperation.

VI KOMMUNITÄT

Weder Immobilienprojekte noch Unternehmen sollten auf dem Reißbrett entstehen. Erfolgreiche Umsetzungen zeichnen sich nicht zuletzt durch pragmatische, am Bedarf der NutzerInnen entwickelte Raumkonzepte ab. Der kollaborative Prozess endet nicht mit Abschluss der baulichen Maßnahmen, sondern bewährt sich im begleitenden Community Management. Aktives Community Management schafft eine begegnungsfreundliche Umgebung, die das Nebeneinander herkömmlicher Bürostrukturen ablöst. Dadurch werden gezielt Milieus geschaffen, die einander befruchten und inspirieren. Es entsteht eine kreative Gemeinschaft, die sich für ein und dasselbe Ziel begeistert.
Aus der geteilten Begeisterung erwächst die kollaborative Umsetzung. Es braucht eine starke Person mit Lotsen-Funktion, die Prozesse gemäß der gemeinsamen Vision lenkt, auf die Leuchtturm-Funktion des Gesamtprojekts achtet, genauso aber auch darauf, eine Ökologie zu initiieren, die ein wachstumsfähiges Fundament bildet.

VII KOMMUNIKATION

Der Kollaborative Konzern bietet eine transparente, dialogbereite Projektkommunikation und schafft damit Sichtbarkeit und Präsentationsmöglichkeiten für ihre MieterInnen. Sie nutzt dabei klassische wie digitale Kanäle, um klare Botschaften und starke, positiv besetzte Bilder zu vermitteln. Die gesamte Klaviatur der Kommunikation verfolgt dabei das Ziel, die Marke zu etablieren und zu stärken. Im Markenkern steckt die ursprüngliche Bedeutung des Standorts für das urbane Umfeld und seine Identität.

VIII KONSTRUKTION

Erst die sukzessive Gestaltung und Bespielung eines Areals garantiert organisches und nachhaltiges Wachstum. Freiräume für Experimente sind nötig, um dem Wandel der Zeit gewachsen zu sein. Dieses Wissen wird auch bei der Planung – in Form von offenen, großen und leicht adaptierbaren Räumen – umgesetzt. Weiträumige, wandelbare Hallen entsprechen den heutigen, flexiblen Nutzungsszenarien verschiedener Lebens- und Arbeitsformen. Ein Schmelztiegel entsteht, der Handwerk, Kunst, Forschung und Technik als Einheit begreift, um klassische und kreative Industrien zu einer neuen Legierung zu verbinden und innovative Initialzündungen auszulösen. Schließlich ist der Mythos vom einsamen Erfinder im stillen Kämmerlein längst überholt. In unserer vernetzten Welt ist es der Blick über den eigenen Tellerrand hinaus, der zu neuen Lösungen führt und den Grundstein für technische, wirtschaftliche, künstlerische oder soziale Innovationen legt.

IX KOHABITATION

Projekte im Bereich Brownfield Re-Development mögen ein definiertes Ende haben. Das neu etablierte Areal selbst unterliegt einem permanenten Wandel, den seine NutzerInnen vorantreiben. Ziel ist es Raum für ein interagierendes Milieu, eine diverse Community zu erschaffen und einen Rahmen zu spannen, der eine vielfältige Nutzung zulässt und einen gesamtgesellschaftlichen und kommunalen Mehrwert generiert. Es ist der Prozess der Kohabitation, also der geteilte Aufenthalt unterschiedlichster Nutzungen: Wohnen und Arbeiten; Produktion und Rekreation; Aus- und Weiterbildung; Betreuung und Befähigung; Forschung und Entwicklung; Handwerk und Hightech.
Die wirtschaftlichen und sozialen Dynamiken gilt es an den neu etablierten Standorten zu analysieren und die Verantwortlichen hinsichtlich einer dynamischen Weiterentwicklung weiter zu beraten.

X KAPITALISIERUNG

Soll ein Areal oder ein Objekt zum Projekt werden, müssen dessen Finanzierung sichergestellt und PartnerInnen für die notwendigen Investitionen gefunden werden. Dazu braucht es ein verlässliches Netzwerk ausgewählter ExpertInnen – zum Beispiel SpezialistInnen der Adaption von Arealen, die Liegenschaften prüfen, Ankäufe erwägen und den notwendigen Cash-Flow sicherstellen. Andere wiederum sind als Business-Angels und Investoren zur Stelle, wenn kapitalschwache, aber innovationsstarke Unternehmen (Start-Ups, GründerInnen, ErfinderInnen) ihre Lösungen, Produkte und Dienstleistungen am Markt positionieren wollen, bzw. einen erfolgreichen Exit bewerkstelligen wollen.

XI KUMPANE

Bergwerkskumpels oder Kumpanen sind Menschen, die ihr Brot (lat. panis) miteinander teilen – oder auch: Aufgaben, Kompetenzen, Haltungen, Werte und Ziele. PartnerInnen – egal ob Innovierende oder Investierende, egal ob Begleitende und Beratende aus Bildung, Wissenschaft und Kunst, Gewerbe und Industrie – sollen auf gemeinsames Arbeiten einschwören und es in den Projekten und unter ihren NutzerInnen verbreiten. Im Sinne eines autopoietischen Systems sollen sich die verschiedenen Initiativen und Projekte möglichst aus sich selbst heraus entwickeln, organisieren und erhalten. Dennoch bedarf es der „Kunst des Steuerns“. Eine Entwicklungs- und Betriebsgesellschaft koordiniert die Revitalisierung und steuert die grundsätzliche Ausrichtung des Areals. Die kommende Nachfrage bedingt auch einen gesteuerten Selektionsprozess für potenzielle MieterInnen, damit eine Ökologie der Innovation prosperieren kann.

XII KONZERN

Die fundamentale Veränderung unserer Arbeitswelt – vom Taylorismus zur Netzwerkökonomie – steht in einem harten Kontrast zum fortschreitenden Individualismus. Als kollaborativer Konzern bietet der Standort nach seiner Wandlung den Ich-AGs der Gegenwart die Vorzüge einer übergeordneten Betriebsstruktur: Kantine, Kinderbetreuung, Gesundheitsvorsorge, Repräsentations- und Gemeinschaftsräume, gemeinsame PR, Co-Working-Spaces, Maschinenparks, Serviceeinrichtungen oder Events, die auf die speziellen Anforderungen der kreativen Klasse zugeschnitten sind und Unterstützung in Krisensituationen.

XIII KOHÄRENZ

Die Erkenntnisse, die Brownfield-Projekte auf der ganzen Welt zutage fördern, sollten einander durch intelligente Vernetzung ergänzen, sodass neu zu belebende Brownfield-Projekte von diesem Wissens- und Kompetenzpool, profitieren können.
Der Austausch zwischen den Arealen sowie den Städten wird einen vitalen Beitrag zum Erfolg der Metamorphose ausmachen.

XIV KOMPETENZ

Brownfield-Entwicklung ist von unterschiedlichen Phasen geprägt. Daher wird der permanent installierte Teamkern je nach Periode gezielt um ExpertInnen ergänzt bzw. erweitert. Doch Innovationskraft bedingt urbane Ermöglichungsräume, Keimzellen für gesellschaftsverändernde Ideen, die heute den Grundstein für ökonomischen Erfolg legen, Kollisionsorte für Kollaborationen und Produktionsräume, in denen die Entwicklungsstufen einer neuen Moderne erarbeitet werden. Eine Aufgabe, für die Industriebrachen perfekte Bedingungen bieten: Als kreativer Hotspot im urbanen Alltag, als relevanter Akteur für die Politik und Wirtschaft, als Missing Link für die positive Entwicklung einer Stadt. Das Know-how dieser SpezialistInnen läuft beim Entwicklungsteam zielgerichtet zusammen, welches das große Ganze im Blick behält, und Sach-, Prozess-, System- und strategische Ebene innerhalb des entwickelten Orientierungsrahmens verknüpft.